„Unser Design verneigt sich vor dem Fahrer“

Als wir das streng geheime Designstudio betreten, bleibt Asok George vor dem neuen Volvo FH stehen. „Bei jeder Enthüllung muss ich einen Augenblick innehalten und einfach nur schauen. Zwar ist alles neu, aber wir haben zweifellos einen Volvo vor uns.“

Asok George ist verantwortlich für das charakteristische Außendesign des neuen Volvo FH. Doch jeder Einzelne aus dem Designteam hatte in erster Linie auf diese Unverwechselbarkeit des Designs zu achten. „An seiner geneigten Windschutzscheibe war der Volvo FH schon immer leicht zu erkennen. Und das wird auch so bleiben“, meint Asok George. Da die Windschutzscheibe für mehr Platz im Fahrerhaus aufgerichtet wurde, kommt dem Winkel des Dachs nun eine noch wichtigere Rolle zu. Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass das Fahrerhaus nach wie vor ein unverwechselbares Profil hat.

Unverkennbar Volvo

„Es sollte nicht unbemerkt bleiben, wenn Sie einen Volvo fahren. Unser Ziel besteht darin, ihn zu genau dem Lkw zu machen, der den höchsten Wiedererkennungswert besitzt“, so Asok George weiter.

Carina Byström, Designerin Innenraum.
Carina Byström, Designerin Innenraum.
Wir gehen von der einen Seite des Fahrerhauses auf die andere. Asok George und Rikard Orell, Design Director bei Volvo, weisen auf verschiedene Merkmale und Details hin: Die engen Spaltmaße zwischen den Karosserieteilen und die präzise Verarbeitung, die erreicht wurde. Dann deuten Sie sie auf die Linien und Kurven am Fahrerhaus, auf die Formgebung, wie die Designer sagen. Hier wurde beabsichtigt, eine einheitliche Gestalt zu schaffen, die nicht in ein Front- und zwei Seitenteile zerfällt. Aus diesem Grund erstrecken sich die Linien und Formen ohne Unterbrechung über das gesamte Fahrerhaus. Aber noch wichtiger als die Linien ist der Eindruck, die Wirkung, die der Lkw erzielt.

„Ja, das ist entscheidend. Das Design muss die Effizienz und Dynamik des Lkw widerspiegeln. Auch im Stehen sollte er einen Eindruck von Bewegung vermitteln“, meint Asok George.

Der neue Volvo FH scheint nach vorn gebeugt, die Räder in den Boden gestemmt, bereit für den Startschuss zu sein. Dieser Eindruck wird zumindest durch die Formgebung geweckt. Von Bedeutung ist dafür das Design der Radkästen und Kotflügel. Der obere Rand der Kotflügelkanten verläuft nach vorn unten. Dadurch entsteht eine dynamische Linie, die die Form des Radlaufs betont.

Größerer und hellerer Innenraum

Wir klettern in das Fahrerhaus und verlassen damit den Designbereich von Asok George. Wir betreten die Domäne der Designerin des Innenraums, Carina Byström. Der Innenraum wirkt luftig und hell, obwohl die Studiobeleuchtung vom Tageslichtniveau weit entfernt ist. Der Effekt rührt zum einen vom Glasschiebedach her, das gleichzeitig als Notausstiegsluke dient. Zum anderen beruht die Helligkeit im Fahrerhaus auf den insgesamt größeren Fenstern.

„Für Volvo zählt der Mensch.
Das soll im Design zum Ausdruck kommen.“

„Das Design hat Einfluss darauf, wie groß das Fahrerhaus wirkt. Aus diesem Grund haben wir mit großen, fließenden Linien und glatten Oberflächen gearbeitet“, erklärt Carina Byström.

„Betrachten Sie beispielsweise die Instrumententafel. Sie fließt von A-Säule zu A-Säule und betont dadurch die Breite des Fahrerhauses“, fügt Rikard Orell hinzu. Genau wie das Äußere soll die Designsprache im Innenraum des Fahrerhauses die Philosophie und die skandinavischen Wurzeln von Volvo zum Ausdruck bringen. „Die Umrisse und Formen sollten logisch sein“, meint Rikard Orell. „Nicht kompliziert oder gekünstelt.“


Asok George, Designer Außenbereich
Asok George, Designer Außenbereich

Unterscheidungsmerkmale

Viel Arbeit wurde in die Oberflächen und Materialien investiert. Die Anforderungen an die Materialien sind hoch. Verschleiß ist ein Thema, und von allen Teilen wird Langlebigkeit verlangt.
 
„Qualität ist wichtig, unsere Kunden sind in dieser Hinsicht wählerisch. Und das ist auch gut so“, findet Rikard Orell.
 
Ein weiteres Detail, das dem Volvo FH ein eigenes Profil verleiht, sind seine Außenspiegel.

„Wir wollten die Spiegel schmaler machen, so dass die Sicht weniger eingeschränkt ist. Nun wird der gesamte Spiegel verstellt und nicht mehr nur das Spiegelglas im Gehäuse“, erläutert Asok George.
 
Durch die schlankeren Spiegel wird auch der Luftwiderstand verringert. Obwohl der neue Volvo FH höher ist als sein Vorgänger – der Vorreiter in Sachen Aerodynamik –, ist er nicht weniger aerodynamisch.
 

„Durch Abrunden der Ecken ist es uns gelungen, ein Fahrerhaus mit einem etwas geringeren Luftwiderstand zu bauen“, kommentiert Asok George. Die engen Spaltmaße der Karosserieteile spielen hier ebenfalls eine Rolle. So ist zum Beispiel die Verbindung zwischen dem unteren und oberen Teil des Fahrerhauses absolut dicht. So werden Motor, Aufhängung und weitere Teile verdeckt, die sonst in der Lücke zu sehen sind. „Der Lkw ist rundum viel geschlossener. Infolgedessen strömt der Wind um das Fahrerhaus herum statt hindurch. Dies bewirkt Wunder für die Aerodynamik und verringert den Kraftstoffverbrauch noch weiter“, meint Asok George.
Selbst die Außenlackierung trägt dazu bei, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Selbst die Außenlackierung trägt dazu bei, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
 

Beeindruckend – aber nicht einschüchternd

Das Design vermittelt Selbstbewusstsein, ohne dabei aggressiv zu wirken. Die Absicht ist natürlich, Transportunternehmer und Fahrer gleichermaßen anzusprechen. „In den letzten Jahren ist der Wert eines qualifizierten Fahrers enorm gestiegen. Lkw-Fahren ist eine Kunst. Für mich stellt das Design eine Verbeugung vor den Lkw-Fahrern auf der ganzen Welt dar“, findet Rikard Orell. Aber nicht nur die Fahrer müssen zufrieden sein.

„Unsere Kunden sind nicht nur Transportunternehmer, sondern die Gesellschaft – eben jeder, der mit dem Lkw in Kontakt kommt, wenn er im Einsatz ist. Es ist großartig, wenn die Menschen unsere Lkw beeindruckend finden. Sie dürfen sich aber auf keinen Fall von ihnen eingeschüchtert fühlen“, meint Rikard Orell.
 
„Für Volvo zählt der Mensch. Das soll im Design zum Ausdruck kommen“, sagt Asok George, der noch einen letzten Blick auf den Lkw wirft, bevor ihn die graue Plane wieder verhüllt. .

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